Radtour 2008 – DK, S, PL (the holly f***ing Sibirian Edition)

Fast schon wie jedes Jahr – und auf Wunsch wieder fuer alle daheimgebliebenen – die dramatischen Ereignisse von Onkel Marci und Mister Incredible auf einer dreiwoechigen Radeltour ins ungewisse…

Mit dabei ist uebrigens wieder – wie letztes Jahr auch – Mr. Incredible Hausmeister D. (nicht das ich im Moment wirklich wuesste, was ‘incredible’ bedeutet, aber eine Stimme sagt mir gerade, das es irgendwie cool klingt.)

Bericht Nr. 1Marci in Gefahr

Ich sitze mal wieder um kurz vor Mitternacht in meiner Dackelgarage, eine kleine Funzel laesst es etwas romantischer wirken und ich lasse die letzten Tage Revue passieren.
Im Hintergrund rauscht das Meer (o.k. es klingt so als würde gleich ein Orkan losbrechen) und die Muecken versuchen trotz sibirischer Kälte vergeblich die Aussenhaut meines Aldi Süd Zelts zu durchbrechen.

Ich bin in Daenemark – Urlaub unter Freunden –

… so erinnere ich mich zumindest an den Werbeslogan im Fernsehen.
Naja stimmt ja auch irgendwie – Mein Nachbar im Nachbarzelt scheint zumindest dieser Auffassung zu sein, wenn man die tiefen Brummgerausche ansich als „positive Welcome Nachricht“ deutet, auch wenn es mich jetzt daran hindert einzuschlafen.
Aber all das macht nichts, da wir heute ausschliesslich (eisigen) Rueckenwind ausgesetzt waren und nur gegen Norden fuhren. Eigentlich richtig Glueck, denn 60 Kilometer mit einem Gesamtgewicht von knapp 140 kg treten sich auch nicht so von alleine.

Aber wie ihr ja von Marci wisst – kommt das Glueck selten allein…

Fakt ist:
Fetter Sonnenbrand mitschiffs, aehh ich meine auf der Nordseite…
fuehlt sich an, als haette ich etwas frauenfeindliches zu Alice Schwarzer gesagt..

Revue – wie alles anfing:

Um 18 Uhr waren wir nach der Arbeit frohen Mutes in Muenchen Stadt an der Autovermietung (wir hatten keinen Zug mehr bekommen) und ich hatte natuerlich meinen Fuehrerschein zuhause vergessen.. Schon bloed wenn man sich ein Auto ausleihen will.. (und meinen Videotheks, Camping, Jugendherbergsausweis sowie die als letzter Trumpf gezueckte 0815 VISA Kreditkarte hatte die studentische Aushilfs-Blondinne der Autovermietung auch nicht beindruckt)

Also sag ich zu Mr. D: „Du schmeisst schonmal die Radel und unser Uebergepaeck ins reservierte Auto (ein französisches Fahrzeug mit niederlaendischen Kennzeichen) und ich mach ne biege mit dem Taxi nach Hause und hol meinen Fuehrerschein.“

Gesagt, getan – so dachte ich und lass mich mit dem Taxi nach Hause in Giesing chauffieren. Dann der verzweifelte Anruf von Mr. D: Ein hollaendischer Renault, 7 sitzer wo die Sitze nicht zum rausnehmen sind.. Dramatisch.

Und ich – mittlerweile mit Fuehrerschein und Taxi wieder auf dem Rueckweg zur Autovermietung, verwerfe den Gedanken mit einem niederlaendischen Mietfahrzeug Richtung Rostock zu fahren.

Also aus der Traum, einmal ein fliegender Hollaender zu sein, und schliesslich nach 100 Kurztelefonaten (mit meinem Prepaidtelefon) und den diversen Hotlines anderer Autovermietungen ein Treffer – zu 95% ein Audi A4 in Giesing.. (Da wo ich ja gerade herkam…)

Nun ja, besser als nichts, also flux auf die Raeder und zurueck nach Giesing.

ich haette zu diesem Zeitpunkt sogar ein Gogomobil genommen und waere mit Papa’s alten Dachgepaecktraeger und Fahrraedern + Uebergepaeck nach Rostock gefahren..
An der Autovermietung angekommen – na klar – kein Audi A4 da..

Aus unerklaerlichen Gruenden wollten sie uns die einzige am Hof stehende Limousine (S Klasse) unter fadenscheinigen Ausreden nicht geben und so nahmen wir gezwungenermaßen ein Baustellenfahrzeug Typ Fiat Stilo und konnten dann endlich um 21 Uhr aufbrechen.

Ich sag euch, es war ein Hochgenuss auf dieser „nichtverstellbaren“ 3er Sitzbank vorne zu sitzen.  Unter fadenscheinigen Vorwand (nein Mr. D, – ich bin ueberhaupt nicht muede…) zog ich es dann vor, Mr. D. nach 300 Kilometern das Steuer aus der Hand zu nehmen und die letzten 500 km auf dem einzig verstellbaren Fahrersitz mit allem – was die Kiste hergab – Rostock entgegen zu eilen.
Um 5:50 kamen wir dann an der Autovermietung Rostock an, noch schnell 1 1/2 Stunden bequem (huestel) im bequemen Baustellenfahrzeug gepennt und dann um 7:00 mit den Raedern los Richtung Auto-Faehre.

Bloederweise versagten unsere nautische Faehigkeiten etwas und so konnten wir – trotz zwei hochmodernen GPS Geraeten – den Faehrenhafen erst kurz vor 8:00 erreichen.

Die Laderampen waren schon oben, checkin ist wie bei  Flugzeugen eine Stunde zuvor – und die kuehle blonde Dame an der Kasse schien auch nicht sehr empfaenglich fuer das bisschen Charme zu sein, was ich noch imstande war aufzubringen – hatte dann aber wohl Mitleid mit den 2 heruntergekommenen unrasierten Landstreichern mit den fiesen Augenringen und griff zum Funkgeraet..

Wieder mal Glueck gehabt, die Landungsbruecken gingen runter und wir rauf auf den Dampfer – Richtung Schweden..

Was haette ich jetzt alles fuer eine Kóje getan – aber Mr. D. meinte, so ne Koje waere echt teuer – und in Anbetracht das unser Lieferwagen das dreifache des urspruenglich bei Sixt bestellten Wagens gekostet hatte, wollte ich auch nichts mehr sagen..
Auf dem Schiff stellte sich dann raus, das die Koje nur 30 Euro gekostet haette..

Egal:
Ich hab im Speiseabteil mit Kopf auf Rucksack geschlafen
, und weiss der liebe Gott, ob ich besser ausgeschaut hab als Kuhjo, dieser grosse sabbernde Bernhardiner aus Steven Spielbergs Horrorfilm…

Ein paar Tage später:

Nun ja, jetzt ist ja wieder alles gut.  Wir sind heute vom schwedischen Trelleborg rueber auf die daenische Insel Borghom gejettet und auf einem 3 Sterne Campingplatz gelandet.

Mittlerweile haben die Muecken mal wieder aufgegeben ohne anzuklopfen in mein Zelt einzudringen und ich habe das tiefe Brummen meines Zeltnachbarn mit meinem Herzschrittmacher synchronisiert.
Es faellt mir auch nichts mehr ein zu schreiben, also bleibt mir nur zu sagen:

Liebe Freunde und mitleidende Kollegen,
ich vermisse euch und die laut Wetter-Ticker schoenen 30 Grad warmen Tage in Muenchen.

Aber ehrlich gesagt: Die Antarktis – aehh, ich meine Schweden/Daenemark haben ja auch etwas schönes.
Vielleicht fahren wir ja auch noch nach Lettland, dort ist es wahrscheinlich auch nicht kälter.

Bis die Tage
Liebe Gruesse,

Euer Marci

P.S. Bei IKEA hatten die doch vor kurzen in einer Werbung gesagt:
Ganz Schweden feiert Midsommer’

Naja, also wir waren  da… aber ganz Schweden war wohl im Urlaub!!!!

Bericht Nr.2

Hallo ihr lieben,
da bin ich wieder. Heute ist Montag Nacht, der 4. Tag unserer (noch nicht) spektakulären Reise…

Spektakulaeres – oder besser ‘Sensationelles’ wie Tim Melzer immer wieder gerne in seinen Kochsendungen als Schlagwort fuer etwas aussergewoehnliches verwendet  hatte war heute nichts.
Als gezwungenermassen selbst ernannter Kuechenchef dachte ich mir am Nachmittag: Jetzt ziehst du Dir heimlich eine Fettbemme (Ostdeutsch: Butterbrotsemmel) rein.. Gesagt, gedacht geschnitten..

Wahrscheinlich passieren die meisten Unfaelle mit stumpfen Messern. ;-)

Gott sei Dank erinnerte ich mich an meine alte Feuerwehr Rettungstaucher- und Sanitaetersausbildung und konnte mich schnell selbst versorgen, denn Mr. D.tat das, was er scheinbar am liebsten an unscheinbaren Tagen wie diesen tut:

Um 16 Uhr schlafen.

Nun – wir sind immer noch auf diesen einen Campingplatz in Bornholm naehe der Stadt Roenne, das Wetter ist mies und fuer heute war ein Sonnwendfeuer in Roenne angesagt.
Nicht das mich ein 5 Meter hohes Feuer dazu bewegen koennte, noch einen Tag laenger in Sibirien zu verweilen, aber nach der Miesere mit dem Midsommerfest  in Schweden, wollte ich Mr. D. die Freude goennen und zuegelte  meinen stetigen ‘ich-will-raus-aus-dieser-Hoelle Fortbewegungsdrang.

Letztendliche Aenderung zum Vortag war eigentlich nur das noch lauter gewordene tosende Meer, die mittlerweile nicht mehr vorhandenen Muecken – wahrscheinlich weil sie erfroren oder schlichtweg vom Winde verweht wurden..

Also haben wir mehr- oder weniger den ganzen Tag dahin gesandelt, ich habe zum 5. Mal meine Radlertaschen einraeum-technisch optimiert und auf den Sonnwendabend hingefiebert.

Um 18:30 Uhr kaempften wir uns mit dem Fahrrad bergab Richtung Sonnwendfeuerplatz. Echt eine empfehlenswerte Erfahrung, wenn man einen Berg runterfaehrt und dabei noch treten muss – damit man runterkommt..
Um 20 Uhr sollte dann das Feuer angezuendet werden und so standen wir recht lange motivationslos in der immer groesser werdenden Menschen-Menge.

Mittlerweile haette ich mich auf das waermende Feuer gefreut –  bei 9 Grad und 3 Stunden spaeter einem Wind trotzen, der in Bayern wahrscheinlich Katastrophenalarm ausgeloest haette ist ja auch nicht gerade jedemanns Sache.

Nunja, aus dem Feuer wurde nichts – ihr duerft raten:
Zuviel Wind..
Ich wollte der Feuerwehr schon einen Pakt mit dem hiesigen Bierlieferanten und der Wuerschtelbude unterstellen, eine Hinhaltetaktik um den schleppenden Konsum anzutreiben, aber Mr. D. konnte meine aufkommenden Hitzewallungen noch vor groesseren Blessuren (ausser Frostbeulen) bewahren, zudem die daenischen Jungs von der Feuerwehr auch nicht wie leichte Hemden ausgeschaut haben..

Also sind wir recht verfroren wieder zurueck zum Campingplatz gefahren.
Zum Schluss gab es dann doch noch ein Highlight:
Bergauffahren ohne merklich treten zu muessen…

Tip:
Falls ihr auch mal eine laengere Zeit im Packeis aushalten muesst:
So ein Windows Mobile PDA (mein Handy)…

 
… ist neben Reiseschreibmaschine für den Blog „ein ausgezeichneter Fingerwaermer“, wenn man WLAN, Bluetooth und GPS gleichzeitig einschaltet.

Bis die Tage und liebe Gruesse,  Euer Weltenbummler Marci P.

P.S.

Fuer mehr reicht es heute nicht mehr, wir sind heute am 5. Tag tatsaechlich weggekommen  und Mr. D hat mich radeltechnisch gnadenlos fertiggemacht und mir vielleicht sogar noch das Leben gerettet.. Dazu aber mehr die naechsten Tage :-)

Bericht Nr. 3

Halli Hallo,
Da bin ich wieder. :-)
Heute ist Mittwoch Nacht, der 6. Tag unserer spektakulären Reise. Mittlerweile sind wir weitergezogen und haben einige Anhöhen und Täler hinter uns gelassen.

Heute hatte mir ein dänischer Felgenkiller… (ein Fahrradstaender wo man den Vorderreifen reinschiebt) die Felge ruiniert. In meinem jugendlichen Leichtsinn glaubte ich vor einer Eisdiele mein ca. 40 kg schweres Fahrrad in solch einen parken zu muessen, doch ich hatte die Rechnung ohne den Wind gemacht. Grosse Suenden bestraft der Herr, kleine (Eis essen) sie Schwerkraft. Auf jeden Fall hat Mr. D. den 8er so gut wie moeglich wieder rausgezogen. Lebensretter halt :-) So konnten wir noch bei herrlichen Sonnenschein ueber traumhafte Insellandschaften fahren. Zuhause werde ich wohl trotzdem das ganze Vorderrad ersetzen muessen ;-)

Donnerstag: Spaziergang am Vormittag ueber die Duenen, Nachmittag Planung des Aufbruchs, den  Regen und Temperatursturz meldeten sich an. Polen ist leider aus der Planung rausgefallen, da keine Faehrverbindung fuer Freitag verfuegbar war.

Freitag: Frueher Aufbruch um 12 Uhr (lange geschlafen, ausgiebig gefruestueckt, dann unter Regen und Sturmboejen die letzen 50 Kilometer zurueckgelegt (Bornholm komplett umrundet) und dann die Faehre nach Koege (Daenemark) gebucht. Kurz vor der Abfahrt haben wir dann umdisponiert und sind mit der 22 Uhr Faehre nach Sassnitz (Ruegen)  uebergesetzt. Um 1:30 waren wir dann am Sassnitzer Faehrhafen und sind in stockfinsterer Nacht auf seelenleeren Strassen nach Binz geradelt. Sehr interessant, nachts an einem der laengsten Nazi Bauten (5km) entlangzuradeln. Die Feriensiedlung ‘Prora’ wurde zu Beginn des 2. Weltkrieges fuer bis zu 20.000 Kinder geplant.. Wahnsinn – und nachts schon sehr gespenstisch.. Den dort gelegenen Campingplatz haben wir natuerlich nicht gefunden, also haben wir uns recht planlos an der Binzer Strandpromenade aufgehalten und den Sonnenaufgang mitgenommen.

Nach Sonnenaufgang


sind wir dann durch die wunderschoene Mecklen-vorpommerische Landschaft gefahren und sind in Goehren gelandet, wo wir dann um 8 Uhr auf einem ‘Regenbogen’ Campingplatz gestrandet sind.
Klar, jetzt hiess es nur noch Zelt aufbauen, reinfallen und Augen zu ;-) Um 2 Uhr waren wir dann wieder einigermassen fit, und sind dann das erste mal auf unserer Reise Essen gegangen. Sehr fein und nicht zu teuer. Ist aber auch der erste Campingplatz den ich kenne, der eine AG ist :-) .

Sonntag:
Heute haben wir Allgemein-Bildung betrieben. Wir haben die Fahrraeder stehen lassen und sind mit dem rasenden Roland (eine Schmalspur Dampflok Eisenbahn die zwischen 20-30 km/h macht)