ich bin dann mal wech – die bikepacking challenge…

Adipositas!  … oder … es war mal wieder Winter. Nachdem der Computer totgebastelt, die ganze Bude geputzt und ich dieses Jahr auf Bänke bauen keine Lust hatte, machte ich mir Gedanken über meine nächste Reise mit dem Rad..

Eines Tages… (…so fangen Geschichten immer an, aber genau genommen war es an einem Tag im März…)

… als ich mich mal wieder auf meine „Super-Duper Computer Body Waage“ stellte, um das nicht im Verhältnis stehende  Kosten <-> Nutzen Verhältnis der Waage zu kompensieren und mein schlechtes Gewissen für diese sinnlose Anschaffung zu beschwichtigen, teilte mir doch dieses „High-Tech-Teil“ „in anmaßender Form“ mit, dass ich jetzt der Kategorie Adipositas 1 angehören würde…

Gipfelsturm auf der Waage

Vor lauter Schreck vergaß ich, die nachfolgende Wettervorhersage auf dieser Super-Dupa-Waage anzuschauen, was eigentlich der wirkliche Grund des Besteigens dieses unverschämten Messinstruments gewesen war.

Nachdem mich das Internet ausgiebig mit Hiobsbotschaften zu dem Thema Adipositas beglückt hat, war klar:

Jetzt hatte ich es also tatsächlich geschafft, das symbolische Ende der Waagen- Drehscheibe zu erreichen, hätte diese Waage noch eine altertümliche mit Zahlen beschriftete Drehscheibe besessen.
Die nackten Fakten ließen aber keine Zweifel offen:
120kg, 30% Körperfett und einem BMI von 35 gehörten in die Kategorie Adipositas 1.
Somit war klar: „Light-Weight schaut irgendwie anders aus.“

Eine Lösung für echte Männer muss her…

Also machte ich mich alsbald im Internet auf die Suche nach einer neuen Aufgabe, die voraussetzte ordentlich Kilos abzuspecken und irgendwie Kondition aufzubauen.
Da ich mich generell eher als einen gemütlichen stoischen Esel betrachte, (und mich eigentlich nicht zu den „echten harten Männern“ zählen kann, da einfach viel zu zart besaitet) waren die (mit einem unschuldigen Augenaufschlag) gut gemeinten Vorschläge meiner drahtigen Kollegen  wie  Iron Man oder Tough Mudder keine Option.

„Ich bin dann mal wech“ vs  BTG 2018 Trans Germany

Eigentlich war ich gedanklich am Jakobsweg hängen geblieben. Nicht das ich religiös oder mich sonst in irgendeiner Form spirituell beflügelt bezeichnen würde, aber vor Jahren war ich in einer einsamen kalten Nacht in einem unserer Hinterhof-Kinos über Harpe Kerkelings Verfilmung Ich bin dann mal weg gestolpert und habe mich genau in dieser Rolle wiedergefunden. Seitdem sind mir diese Bilder und Harpes Situation nicht mehr aus dem Kopf gegangen. (Vielleicht lag das auch daran, das ich genauso ein (liebenswürdiger) Witzknubbel war bzw. bin wie Harpe)…

Auf der Suche nach einem geeigneten Weg fürs Fahrrad bin ich dann zufälligerweise über die „Bikepacking Trans Germany“ kurz BTG gestolpert, ein Selbstversorgerrennen quer durch Deutschland.

Die BTG ist so ein hartes Ding für „echte Männer“ (wie mich) dachte ich mir, ein Rennen das mehr oder weniger querfeldein von Basel nach Rügen führt, in etwa 1600km umfasst und einige Höhenmeter mit sich bringt.

Ohne zu Wissen worauf ich mich da einlassen würde, beschloss ich also an dieser
Querfeldein-Rallye“  teilzunehmen und meldete mich einfach mal an.

Die Rahmenbedingungen waren schnell definiert:

… irgendwie durchhalten und anschliessend (
wie der Esel von Don Quijote) hoch erhobenen Hauptes ins Ziel traben..

Die (mehr oder weniger) harte Vorbereitung…

  • FdV – Friss nur noch das Viertelte
  • Keine Süßigkeiten mehr („Harter Tobak“ sprach eine innere Stimme im Klitschko Tonfall zu mir…)
  • nicht nur am E-Bike schrauben sondern auch mal mit dem normalen Rad fahren

Und so vergingen untrainiert Tage, Wochen und Monate.

Ich hatte zwischenzeitlich trotzdem ordentlich abgenommen, (zumindest für meine Verhältnisse) und wog jetzt nur noch 107kg, brauchte wieder einen Gürtel. (… und musste jetzt nicht mehr bangen, dass sich mein Hosenknopf in einer angespannten Situation ungewollt mit einem singenden Geräusch und bestürzten Gesichtern meiner Kollegen über den Konferenztisch von dannen machte…)

Packliste was ist das?

Inspiriert von „bikepacking unlimited“ ist mir eine Woche vor dem Start eingefallen, dass ich doch irgendwie mein Fahrrad für diese „ultra-light-Bikepacking“ Safari vorbereiten sollte.

Das war gar nicht so leicht, wenn man ein „Schwerlastfahrrad“ sein eigen nennt, dass „nackig“ 20kg wiegt.

Lagerkoller im Wohnzimmer

Also wog ich voller Hoffnung mein Zelt, meine bequeme aufblasbare Luftmatraze, die Taschen und Säcke, einfach alles – und alles war viel zu schwer.
Auch meine Klamotten, die ich auf meinen bisherigen Radeltouren mindestens in 3facher Ausführung dabei hatte, waren viel zu schwer, geschweige denn, dass ich die in irgendeiner Weise in den immer weniger werdenden Taschen am Rad unterbringen hätte können. Also ließ ich ziemlich viel zurück. Den warmen Schlafsack, das gute Zweimann- Zelt, eine Menge Klamotten, Campingküche und wärmende Jacken.

Die BTG Facebook Whatsup Gemeinde

Eigens für dieses Event hatte ich mich dann tatsächlich durchgerungen, Whatsup beizutreten um mit den anderen Mitstreitern kommunizieren zu können.. (natürlich mit extra Handy und extra Nummer)

Von dieser neuen Art zu kommunizieren vollends beflügelt, stellte ich alsbald „relativ unqualifizierte Fragen“ an die BTG Whatsup Gemeinde zum Thema ultra-light Bikepacking…

Meine geposteten Packesel Bilder belustigten recht schnell die internationale BTG Gemeinde und mir wurde endgültige Hilfe beim Packen während der  come-to-gether BBQ Party in Basel versprochen. (Durch diese Aktion hatte ich mal wieder ungewollt einen „gewissen Bekanntheitsgrad“ erhalten, was mir aber erst viel später so richtig bewusst werden sollte…)

 

 

knapp 30kg ohne Wasser

 

 

Das zusammenschrumpfende Equipment war auf jeden Fall ein echtes Problem für mich, denn ich war gewohnt, wie Luzzi alles erdenkliche für jede Situation dabei zu haben. Während den schweren Stunden des Packens hatte ich echt Sorge, aus dieser Situation nicht mit Zwängen herauszugehen. Fertig aufgesattelt wog mein Packesel dann knapp 30 Kilo und war am Tag der Abreise um 2 Uhr morgens fertig …

30.06.2018 Aufbruch nach Basel

Richy, einer meiner liebsten Ex-Kollegen und mittlerweile sehr guter Freund ließ es sich nicht nehmen, mich um 9 Uhr von zuhause abzuholen und mich höchstpersönlich nach Basel zu kutschieren (knapp 500km!!). Jeder Versuch, das auszuschlagen (ich  hatte schon Flixbus gebucht) wurde von ihm im Keim erstickt und so hatten wir eine recht nette gesprächige  Autofahrt nach Basel. In Basel angekommen gesellte sich noch Humie aus Freiburg zu uns, ein guter Kumpel aus dem Pedelec-Forum, der extra angereist war, um mich moralisch zu unterstützen und mir Schützenhilfe bei dem ersten BTG BBQ „Come-to-gether“ im Freibad Basel zu geben. Ich war schon sehr gerührt, weil mich neben Richy und Humie viele weitere Menschen, denen ich von meinem Vorhaben erzählt hatte, moralisch und seelisch motiviert haben es auch tatsächlich durchzuziehen.

BTG Come-together BBQ Party im Freibad Basel

Richy musste mich leider gleich nach der Ankunft wieder verlassen und fuhr die knapp 500km!! schnurstracks wieder nach Hause. (Vielen Dank, lieber Richy, ich würde dasselbe jederzeit für Dich auch tun)

Humie und ich sinnierten gerade gemütlich wie echte Männer bei einem Bierchen über Gott und die Welt, als sich WhatsUp Legende Anja (die mir ein paar Tage zuvor unbekannterweise  „Hilfe beim packen“ im WhatsUp Chat angeboten hatte) zu uns gesellte und sich keck über meinen Packesel bzw. den Inhalt meiner Packsäcke hermachte.

Ab jetzt nahm ich die Situation nur noch in schockstarrer Haltung war.
Aus den Augenwinkeln sah ich meine 5 Unterhosen und noch so mach anderes Ding davon fliegen und 5 Minuten später saß ich vor einem kleinen Häufchen Elend, was so spärlich war, das es nicht einmal als Erste-Hilfe-Set einem am FKK nackig gestrandeten Pfarrer geholfen hätte, das nötigste zu bedecken.

Ich war zu diesem Zeitpunkt emotional total überfordert von so viel unbekümmerten weiblichen Aktionismus und meine Gefühlswelt wankte stark zwischen Ehrfurcht, Angst und anderen unausgesprochenen Gefühlen. (die selbe Ehrfurcht übrigens, die mich immer bei so taffen Frauen ergreift, wenn ich ihnen nicht schon in weiser Voraussicht ausweichen kann (siehe dazu z.B. auch meinen Radreisebericht Dänemark (the holly f***ing Sibirian Edition)

Irgendwann verschwand die Dame Gott-Sei-Dank wieder und ich packte die aussortierten Sachen unauffällig wieder ein, denn mit einer Unterhose, einer Jacke und so gut wie keinem elektronischen Gimmick sowie ohne mein Schminkköfferchen wollte ich nicht verreisen. Mal davon abgesehen, dass ich kurz zuvor mit Richy noch extra einen Super-Dupa-Wasserdichten-Beutel in den auf der Strecke liegenden Outdoor Läden ausfindig gemacht hatte, um all diese wichtigen Dinge irgendwie wasserdicht zu transportieren.


Vom illustren BBQ Lagerleben im Baseler Freibad hatte ich dann nicht mehr viel mitbekommen, es gab für mich und Humie auf jeden Fall ein paar Bier und ein paar (viele) gegrillte Würstchen. 😉

Anschließend wurden die Startnummern und die GPS Tracker ausgegeben und einige Leute fachsimpelten noch über ihre Ausrüstung oder über andere Dinge von denen ich keine Ahnung hatte.

 

Ab nun konnte man mich also mit der Startnummer 59 und meinem alias Marci über das „BTG 2018 Trackingportal“ orten. Schön, schön dachte ich mir, nun wussten zumindest alle anderen wo ich bin, denn erfahrungsgemäß wusste ich,  das ich das häufig selber nicht wissen würde … 😉

 

Humie verlies mich abends leider wieder und so blieb ich alleine  zwischen den Radprofis und dem Mädchen (dem ich ungewollt den Zugriff auf meine Unterhosen gestattet hatte) und eine unruhige Nacht mit einer noch ungewisseren Zukunft begann in meinem neu erstandenen „fühlt-sich-an-wie-ein-blauer-Müllsack“ Ultra-light-Weight-Zelt.

„Mitleidsbekundungen“ werden übrigens wie immer dankend per Email über marci@traceme.de entgegen genommen.


Tag 1 – Start Basel und Aufbruch ins ungewisse (noch mit blinden Optimismus)

Tja, am Anfang steht bekanntlich die Euphorie und guter Dinge sind wir am morgen um 6:30 gestartet. Bis zu diesem Zeitpunkt war noch alles in Ordnung, obwohl ich schon um 5:30 aufgestanden bin. (… und ihr sicherlich wisst, dass definitiv nicht meine Zeit ist …)

Später fuhren wir am Rhein entlang, wo ein paar Bunker kamen, über die man sein Rad über ein paar Treppen wuchten musste. (Zu diesem Zeitpunkt sah ich die 30 kg Gesamtgewicht meines Kleppers noch als nette Übung an.. )

Mittlerweile hatte sich auch die Spitze vom Rest getrennt, oder besser gesagt die Spreu vom Weizen und ich war – nun ja – wie soll man sagen – die Spreu..

Nach den Bunkern kam die berüchtigte „Hexen Küche“ und da hörte es auf Spaß zu machen, bzw. ab diesem Zeitpunkt sah ich die Sache dann nicht mehr ganz so sportlich. Diese Parcours hatten mit ihren felsigen, glitschigen Untergrund eher etwas mit einer Tropfsteinhöhle in Thailand gemein und ich war mit meinem Packesel schamlos maßlos überfordert. Gott-Sei-Dank waren wir (noch) zu dritt und haben uns gegenseitig geholfen.

Noch beim grinsekatzen…

… danach nicht mehr… Achtung! Plautzenalarm 🙂


(Wenn das also der Vorgeschmack auf die Hölle, bzw. die Aussicht auf den weiteren Streckenausbau sein sollte, dann gute Nacht)

 

 


Nachdem wir die Hexenküche absolviert hatten, musste ich meine 2 Mitstreiter ziehen lassen, ich konnte einfach bei deren Tempo nicht mithalten, denn ich war „Fix und Foxi“.
(Damit folgte ich einem Leitsatz meiner Mutti, die auch schon immer zu mir beim Tee Trinken sagte: ,,… einfach mal ziehen lassen…“
(wie Recht sie doch immer hatte…)

Nachts gegen 22 Uhr konnte ich nach einer aberwitzigen Dunkelfahrt durch den Wald (meine neue Super-Dupa-Akkuleuchte ließ sich nicht einschalten) zu einer Not-Hütte (ein sogenannter Shelter) kurz vor Beggingen aufschließen, wo sich auch ein paar BTG´ler eingefunden hatten. Großes Hallo natürlich, die Leute waren überrascht mich zu sehen, vielleicht aber auch nur, weil man mich schon von weitem, wie ein schnaubendes Walross in der Dunkelheit durch den Wald brechen gehört haben muss …

Fazit: Zelt aufbauen, schlafen und:  Jetzt hatte ich Respekt vor der Sache.

 

Tag 2Beggingen -> Tuttlingen und seltsames „Geschmäckle“ auf den Lippen

Am Morgen ging es weiter durch den Wald Richtung Tuttlingen und ich versuchte verzweifelt irgendwo etwas trinkbares herzubekommen, denn gestern hatte ich im wahrsten Sinne die 3 Liter Wasser, die ich mit mir geführt hatte „verdampft“…
Irgendwann kam ich dann im Wald an einem seltsamen Bauernhof der verlassen schien, fast zu idyllisch um wahr zu sein und ich dachte sofort an Hänsel und Gretel.

Aber weit und breit war nix von einer Hexe zu sehen und so schlich ich mich in den Hof, genaugenommen trieb mich der Durst hinein und ich machte mich über diesen seltsamen Blechnapf mit Wasseranschluss her, was sich später als  automatische Kuh-Tränk-Anlage herausstellte.
Für außenstehende Beobachter musste dieser schwitzende, fahrradfahrende Landstreicher sicherlich einen befremdlichen Eindruck hinterlassen haben, was mir aber in Angesicht der Lage total egal war, schließlich war ich nicht Laurenz von Arabien, sondern eher einer der ausgetrockneten staubigen Mumien mit den ausgestreckten Händen aus dem Wüsten Epos „Der Flug des Phönix“…

Mit einem seltsamen Geschmack auf den Lippen und vollgefüllten Trinkflaschen zog ich dann weiter und stellte mich moralisch auf einen – da nun alleine – gemütlichen Reiseradler-Tag ein, ließ den lieben Gott einen guten Mann sein und fuhr frohen Mutes weiter.

Watterdingen, einst meine Wahl-Heimat

Langsam kam ich in eine Gegend, die ich als kleiner Junge eine Weile meine Heimat nennen durfte und wo ich mich sehr wohl gefühlt hatte. Sogar an einem Hügel, wo ich früher immer mit meinem Freund Heiko rumgestrolcht bin, bin ich direkt vorbeigekommen. Was für ein seltsamer Zufall dachte ich mir, nach 35 Jahren mal wieder genau dort zu stehen, wo man sich damals ewige Freundschaft geschworen hatte und wo der Wind und das Rauschen in den Baumspitzen immer noch die gleiche Geschichte erzählen. Ich legte mich unter die Bäume und schlief sofort ein.

Nach 2 Stunden totaler Gesichtsentgleisung wachte ich total gerädert auf, weil sich meine rechte Wange anfühlte, als hätte ich mal wieder etwas „vermeintlich frauenfeindliches“ zu einer Alice Schwarzer Gruppierung gesagt. Aber nein, nur die Sonne war weiter gewandert und ich hatte mal wieder mittschiffs im Gesicht einen „Fetzen-Sonnenbrand“. Das hielt mich aber nicht davon ab frohen Mutes weiter zu radeln.

Irgendwann kam ich an der Donau- Versickerung vorbei…

… hier also versickert die Donau…

Wegweiser zur Versickerung!

Wow, dachte ich mir, das Natur-Ereignis musst Du Dir unbedingt anschauen..

Also was soll ich sagen:
ICH WAR DA!
ABER DIE VERSICKERUNG NICHT!
(enttäuscht hysterisch kreischend)

 

Baum von unten

Dermaßen enttäuscht von diesem Naturspektakel tat ich das, was ein Reise-Radler in solch einer Situation in angemessener Weise am liebsten tut:

… sich untern Baum legen und dem Flüstern des Windes und dem Rascheln der Blätter lauschen und mal so richtig abhängen…

 

und dann drehte sich der Wind …

… und Mir Nichts – Dir Nichts, kommt Lars des Weges angerauscht…

Erklärend dazu: Lars, Wolfgang und ich waren am Tag 1 eine Weile zusammen geradelt, zumindest bis kurz nach dem „Höllen-Dingsda“…

Lars bei seiner Lieblingsbeschäftigung

Und ab jetzt sollte sich alles ändern. Vorbei war das lustige Lotter-Reise-Radler-Leben.

Aber zu dem Zeitpunkt ahnte ich noch nichts davon, sonst hätte ich mich vielleicht hinter einem Baum versteckt, so wie der arme böse Wolf von Rotkäppchen 2000, der aus der Ferne die ins Jahr 2000 transportiere, mit Muskeln bepackten Umrisse von Rotkäppchen im Wald auftauchen sieht….

Aber in diesem Moment war ich recht dankbar ein vertrautes Gesicht zu sehen, denn ein Reise- Radler ist ja bekanntlich ein geselliges Reise- Tier und ungerne alleine unterwegs.

Lars – macht immer eine gute Figur…

Dazu noch weiter ausholend zum Typ Lars:
Der Typus Lars gehört eigentlich zur Gattung von Radfahrern, die der Schrecken eines jeden gemütlichen Reise-Radlers ist. Denn er schaut gut aus, hat eine Top-Figur, ist drahtig wie Hechtsuppe und meistens kennt man solche Leute nur von hinten, nämlich dann, wenn sie an einem unbarmherzig mit einem Affenzahn „vorbeirauschen“.
Also eigentlich jemand, dem man(n) nur mit einem E-Bike etwas entgegen zu setzen hat…

… und so sollte ich ihn auch kennenlernen, vorbei waren die chilligen Tage mit vielleicht 70-80km am Tag und ein paar gepflegten Päuschen zwischen dem Radeln …
(Aber wie gesagt, von all dem ahnte ich ja noch nichts) …

Wir erreichten am späten Nachmittag den Campingplatz in Tuttlingen, was eher einem kleinen Garten hinter dem Jugendzentrum glich, aber es war alles da, was ein genügsames Radwanderherz benötigte.

Tag 3 – das Ende des Martyriums oder „wind of changes“

gesucht – gefunden

„Wind of changes“ hörte ich die Scorpions in meinem Ein-Ohr-Hase-Headset am Morgen beim Aufstehen trällern (der 2. Ohrstöpsel meines Headsets fiel gleich zu Beginn des Tag 1 meinen Speichen zum Opfer) und so kam es dann auch.

Nachdem wir mal kurz den BTG MTB Trial gekreuzt hatten und unten im Tal die schöne Unendlichkeit des Donau-Rad-Weges bewundern konnten, hielt uns nichts mehr.

(Wir waren wie Abtrünnige, wie die meuternden Piraten auf der polternden Seemannskiste und wir nahmen bei der nächsten Gelegenheit die Abzweigung in ein neues schönes Radreise Leben 2.0)

Donautal voraus

Nicht, dass wir zu dem Zeitpunkt nicht fester Überzeugung gewesen wären alsbald wieder den Spuren des BTG MTB Trials zu folgen, aber wir hatten erst mal genug von Wald, Wurzeln, Geröll, Steigungen auf schlüpfrigem Untergrund und diesen blutsaugenden Ungeheuern, die im Wald hinter jedem Busch lauerten.

Vor uns lagen viele Kilometer der wunderschönen Unendlichkeit des Donau-Tals – und allem voran – Lars mein Zugpferd.

 

Sigmaringen bei Regen 🙂

göttlich verordnete Verschnaufpause

Göttliche Fügungen erbrachten dann gelegentlich auch mal eine Verschnaufpause, was dem alten Haflinger der brav hinter dem Zugpferd hinterher zockelte etwas die Hitze aus den Nüstern nahm…

 

 

Irgendwann mal – „Im Laufe des Tages“ hat es dann auch angefangen etwas zu regnen und mir die Erkenntnis gebracht, das meine Supa-Dupa-Regenjacke mit „Inside Gore“ doch nicht so richtig wasserdicht war.

Am Abend haben wir dann mit letzter Kraft in Groß-Engstingen das Hotel Engstinger Hof erreicht, die Radl in den Keller geschoben und noch sehr sehr lecker gegessen 🙂

Tag 4 – Geislingen an der Steige (Arrrgglll)

Übermütiger Versuch Lars zu überholen

Lars wieder (mal) an der Spitze

„Geislingen an der Steige“… das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen…
Das verheißt ja schon nichts Gutes.
Geiseln wollen die uns? 
Soso … an der Steige?
Oder an der Stiege?
Oder WOMÖGLICH AN DER STEIGUNG!????? (wieder mal hysterisch kreischend)

… aber zum Glück ahnten wir – als wir morgens frisch und frei nach meinem Lieblings-Motto:
„Lebe glücklich – lebe froh, wie der Mops im Haferstroh“
von dem Hotel aufbrachen, nichts davon.

Ich hatte noch gut lachen und so nahm ich es mir mal raus, Lars übermütig an einer kleinen Steigung zu überholen, nachdem ich die letzten Tage hinter Lars Windschatten schön Energie sparen konnte 🙂 (Entschuldigung Lars). Aber das war nur von kurzer Dauer und kurz darauf lag Lars wieder an der Spitze. Natürlich wurden wir wieder vom Unwetter verfolgt, aber dank Lars´taktischen Luftlinien- Direkt Routing konnten wir über den ehemaligen Truppenübungsplatz Gelau dem Unwetter entfliehen.
Ein paar Stunden später wussten wir, was es mit Geislingen auf sich hatte, denn es geißelte uns ordentlich und mir wurde es Angst und Bange, als wir mit einem Affenzahn gefühlte 10 Minuten da runter ins Tal donnerten. (Das muß man ja schliesslich auch wieder rauffahren!!  (wieder hysterisch kreischend))

Gelandet sind wir dann in einem kleinen netten 5 Täler Campingplatz am Längental 1, wo man beim „einchecken“ einen Kaffee spendiert bekommen hat !…
Das gab´s ja noch nie! Als wir uns am Eingang unseren Einstands-Kaffee gefolgt von einem kühlen Blonden genehmigten, war noch ein kleines Highlight geboten.

Lars wie immer beim vorteilhaften Ausschauen am Campingplatz

Michal, auf einem Titan Aehmm.. Rennrad??

Karin, meine persönliche Heldin aus Österreich

 

Hier hatten wir mehr oder weniger den letzten Kontakt zu Teilen der BTG Gemeinde, genaugenommen zu Karin und Michal – die nach uns eintrudelten und logischerweise erstaunte Gesichter machten, weil man uns ja quasi schon tagelang nicht mehr auf dem BTG Trial gesehen und wir sie auch noch unkonventionell überholt hatten 😉 Am Abend gabs noch ein leckeren griechischen Salat um die Ecke – Zapfenstreich.

Tag 5 – Auf nach Crailsheim

Lars – klärt die Routing Frage

Am Morgen ging es weiter durch Wälder, nicht endenden Feldern Richtung Aalen, Ellwangen bis kurz nach Crailsheim.  Dank Lars´ außergewöhnlichem, sehr effektiven Luftlinien-Direkt-Routing sind wir an diesem Tag auch brutal durch diesen Landstrich geschossen.

 

 

Total im A… vorm Aldi

Da Fress ich gleich meinen Hut…

Meine schlimmsten Befürchtungen von gestern wurden allerdings bestätigt und vor lauter Frust hatte ich irgendwann angefangen, meinen Hut zu fressen…
denn die Erkenntnis kam schnell: wo es brutal runter geht, geht es sehr wahrscheinlich auch wieder brutal rauf“

 

Abends Ankunft an einem kleinen Gasthaus in Schnelldorf kurz nach Crailsheim. Essen, schlafen.

Tag 6Altmühltal und ab nach Erlangen

Viel ist die Tage nicht passiert.

Ich sitze mal wieder in meinem Zelt, am Dechsendorfer Weiher Camping-Club Rangau. Es ist ca. 4 Uhr morgens, die Sonne geht auf und die Vögel zwitschern. Draussen auf dem See liegt ein einsames Wikingerschiff.

Die letzten Tage hatte ich Probleme etwas zu schreiben, einerseits technisch, anderseits hätte ich eh nicht viel schreiben können, denn ich war schlichtweg zu fertig.

Die MTB Touren mit meinem 30kg Packesel über Stock und Stein machten mürbe. Auch, weil man selten etwas anderes als Wald, Schotterwege, Felder und Lichtungen sah.
Einige MTB Etappen waren natürlich auch sehr schön, aber die Weite, die man erwartet, wenn man über Land fährt,  hatte man hier definitiv nicht.
Deswegen umfuhren wir die BTG MTB Strecke weiterhin und schnitten nur gelegentlich ein paar Punkte.

Tag 7 – Pleiten, Pech und Pannen zwischen Bayreuth und Bad Berneck

Heute sind wir von Erlangen nach Bad Berneck geradelt.
Es ist Samstag später Nachmittag, ca. 15 Kilometer vor Ende: Meine Kette hat sich gefressen. 
Dank eines netten Porsche Fahrers, den ich einfach so angequatscht hatte, bin ich an Sprüh-Öl rangekommen und konnte die Kette wieder einigermaßen gängig machen. Anschließend sind wir unplanmäßig mit einem Höllenzahn Richtung Bayreuth zum einzigen noch gerade offenen Radlhändler gefahren, der noch eine neue passende Kette für günstige (hüstel) 40€ da hatte..


sehr schönes Ambiente im Haus Bauer

Dann haben wir noch die letzten Höhenmeter ins romantische Bad Berneck genommen, dort ein nettes Gästehaus mit sehr netten Hausherren gefunden (Haus Bauer), im Marktstüberl am Marktplatz zu Abend gegessen und anschließend schön geschlafen 😉 

 

 

Tag 8 – Kurz vor der Bleiloch Talsperre

D11 Radweg

Gut umsorgt und gestärkt von diesem netten Ehepärchen im Gästehaus Bauer wagten wir es tatsächlich nochmals kurz auf die BTG MTB Strecke zurück und haben uns BTG konform durchfalten lassen.

 

 

 

Hups, wo ist die Saale hin?

Die Saale

Allerdings ließen wir es uns nicht nehmen, bei der nächsten Gelegenheit auf den Fernradweg D11 Salzburg-Rostock auszuweichen, den wir jetzt einige Zeit an der Saale befahren würden, um später wieder auf den BTG Trail zu stoßen.

 

 


Nach über 1100 Höhenmetern hatten wir für heute die Buxe gestrichen voll und sind kurz vor der Bleiloch-Talsperre auf dem kleinen, sehr gemütlichen Natur- Campingplatz am Trepplesfelsen  gelandet.

 

 

Tag 9 – Blankenstein bis kurz vor Jena – O Schreck O Schreck der A…. ist weg

Die Saale?

Oeaehmm.. Die ???

Kraftwerk

 

 

 

 

 

Heute in der Früh haben wir es mal wieder richtig gemütlich angehen lassen. Das Frühstück am Campingplatz war an einem großen Tisch, alle Campingplatz Gäste waren auf einem Haufen, eine etwas ungewohnte Situation anfänglich, aber dann haben wir, wie in einer großen Familie „Ewigkeiten“ geratscht. So sind wir erst um 10 Uhr weg gekommen und kamen bei dem ganzen auf und ab mit 1300 Höhenmetern ordentlich ins schwitzen.

 

Lars, natürlich wie immer souverän als Alpencrosser unterwegs

Nach knapp 120 Kilometern sind wir dann kurz vor 21 Uhr bei der kleinen urigen Pension zum Goldenen Roß in Uhlstädt-Kirchhasel gelandet und haben sogar noch eine Suppe bekommen.

(Lars meinte zuversichtlich, dass wir jetzt die Berge hinter uns gelassen hätten und jetzt alles besser werden würde, so dass er rechtzeitig am Ende der zweiten Woche seine Heimfahrt antreten könnte)

 

 

Nennenswerte Erkenntnis des Abends war letztendlich:
Der A… ist weg“

Nicht irgendein A… war weg.
Nein meiner.

Genaugenommen das Hinterteil.
Oder besser gesagt: Das natürliche Polster.
Na, ihr wisst schon.

„Die Polsterung!“
„Das Fett!!..“

Irgendwie war da nix mehr. Leere Hose sozusagen.
Das war mir allerdings erst eine Weile später aufgefallen, weil mir andauernd die Hose rutschte und ich die Hose sogar ausziehen konnte ohne den Knopf aufzumachen.
(Dieses Kunststück konnte ich das letzte mal vor 20 Jahren vorführen)

Nebenbei hatte ich also auch noch eine bahnbrechende wissenschaftliche Entdeckung gemacht, die ich vielleicht im Ärzteregister anmelden und nach ICD-10 klassifizieren lassen sollte.

Nachdem ich mich bei meinen drahtigen Kollegen aus dem MED Bereich rückversichert hatte – und diese einstimmig im Brustton der Überzeugung meine Entdeckung zu dementieren versuchten –  kann ich hier trotzdem offiziell festhalten:
„Auch Männer können Orangenhaut bekommen“
(Beweisfotos bis zur Feststellung der wissenschaftlichen Errungenschaft nur unter dem Ladentisch erhältlich)

Ich sinnierte also den ganzen restlichen Tag darüber nach, wie ich meiner Errungenschaft einen medizinisch-wissenschaftlichen Namen geben könnte und bin bei Morbus Marci“ hängen geblieben.
(Stolz wie Oskar fühlte ich mich an diesem Tag und das erste mal wieder irgendwie so richtig sexy)

Tag 10 – Merci Marci… und nach 130 km Mordgelüste am Merseburger Raben

In großen Schritten ging es heute an der B-88 entlang, an Jena vorbei und auf nach Merseburg.

 

 

 

 

Merci Marci“ außer Regen nichts gewesen und nach knapp 130km ohne nennenswerte Pausen hätte ich den Merseburger Raben den Hals umdrehen können, wenn er mir zwischen die Finger gekommen wäre. Nach so einem Tag ist mir nichts mehr eingefallen, nichts zu schreiben, nichts zum rumblödeln – absolute Gehirnblockade.
Am Abend sind wir im Hotel Merseburger Rabe untergekommen und dort gab es meiner Meinung nach das beste Abendessen auf der ganzen Reise 🙂

Tag 11 – Lars gibt Gas… und die Rabenfahrt geht weiter – 136km

Weiter geht’s am nächsten Morgen im Sauseschritt an Halle und Dessau vorbei.

Auch an der Adria waren wir, leider hat es etwas geregnet, so dass es etwas an der schönen Aussicht mangelte. 🙂 Dafür gab es später eine schöne Schunkelfahrt mit einer Fähre.

 

(Meine Kollegen,  die sich auch mal wieder „aus dem Off“ zu Wort melden frotzelten, ob wir nicht zufälligerweise auf der A9 fahren würden. Klar waren wir dort, aber auf der Autobahn fuhren wir trotz „fahren wie die Bekloppten“ nicht.) Irgendwie bedauerte ich mittlerweile, dass meinem Hinterteil das natürliche Polster fehlte und so rutschte ich auf meinem ungeeigneten Kernleder-Sattel immer auf dem einen, oder anderen Sitzhöcker-Knochen rum.
Weiter überlegte ich mir in den kurzen Momenten, wo ich nicht wie in Trance an Lars´ Hinterreifen klebte, wie ich Lars die Pferdestärken rausnehmen und ob Rizinusöl auf Lars seinem Müsliriegel eine Lösung  sein könnte.

 

 

 

 

Mittlerweile haben sich auch die Landstriche verändert und es wird zunehmend einsamer. Am Abend sind wir dann – immer knapp dem Regen entkommend – am Campingplatz Hoher Fläming in Rabenstein angekommen, wo mir mittlerweile, außer der Regen am Abend und der Regen am Morgen jegliche Erinnerung fehlt. (Einzig der Campingplatz Besitzer war irgendwie eine „coole Socke“ = sehr sympathisch, mit Berliner Schnauze (Was ich ja sehr gern mag) 🙂

 

Tag 12 – Stadt Brandenburg und wieder über 130km

Lars beim Grinsekatzen

Urlaub wie Gott in Frankreich

In der Stadt Brandenburg, die wir gegen Mittag erreichten, haben wir dann auf einer Brücke gesehen, wie man auch ohne Stress und ohne „wunden Hintern“ bequem seinen Urlaub verbringen kann – „Das nächste mal mach ich das auch…“ muss auf meiner Stirn gestanden haben, denn Lars grinste mich fit wie ein Turnschuh und frech wie Schmitz´Katze an…


Anschliessend haben wir Potsdam und Fehrbellin hinter uns liegen lassen und sind die letzten 25km durch einem Insider-Tipp auf einer stillgelegten Bahntrasse (stille Pauline) in die Abenddämmerung gefahren und am Campingplatz zum roten Milan, am Ruppiner See gelandet.

(ich wollte schon die Mundharmonika rausholen und wie Lucky Lucke nach Jolly Jumper pfeifen…)

 

Freitag der 13 – Tretlagerschaden und Ankunft Müritz Nationalpark

Na klar – ich und abergläubisch.. würde ich jetzt eigentlich sagen, dazu bin ich dann doch viel zu sehr Wissenschaftler 🙂 Ich glaube höchstens an Pädagogik, auch wenn die mathematisch nicht erklärbar und an mir komplett vorbeigegangen ist …

Aber manchmal gibt es doch seltsame Zufälle…

Wissenschaftlich unerklärbar war mir allerdings die Tatsache, dass ich am Tag 13 erkennen musste, dass ich mal wieder meinem Antrieb kaputt gemacht hatte. Kaputte Pedale sind ja mittlerweile nichts Neues mehr, denn wenn sich etwas wie ein roter Faden durch all meine Radreisen zieht, dann sind das nach ca. 1000km – Kaputte Pedale.
Dass ich dann auch mal das Tretlager zerlege, grenzt aber an ein Wunder und verdient aller höchsten MARCI-Respekt und zeugt nur wieder mal – von meiner unendlichen Esel-Power.

Heute sind wir nach nur knapp 90 Kilometern auf dem Campingplatz Naturfreund gelandet, was mir bei Ankunft in Anbetracht des Freitag den 13ten gleich Unwohlsein bereitete.

In vergangenen Jahren durfte ich schon einmal unbedarft mit einem TEXTILFREIENNaturfreundeCampingplatz Bekanntschaft machen. Nicht, dass ich mit Ausziehen „an sich“ ein Problem hätte, aber damals muss mein wertes Hinterteil vom Radeln wie ein roter Pavian A… geleuchtet haben, zumindest, wenn ich die mitleidigen Blicke und das Kichern der „anderen Hüllenlosen“ aus dem Augenwinkel richtig zu deuten vermocht hatte.

Glücklicherweise war der Campingplatz ein Wassersport-Eldorado, wo viele der Reisenden mit dem Kanu oder Kajak angelandet waren. Das hatte natürlich einen gewissen Flair und ich hatte mich gleich wie einer dieser coolen Baywatch Typen gefühlt, vor allem, weil mein Radtrikot seit ein paar Tagen nicht mehr eng um meinen Rettungsring anlag.

 

Tag 14 – Gottesdämmerung und in Ungnade gefallen – 155km


Master-Beam trifft Mülltüten- Dackelgarage

Tag 14 fing mit einem verheißungsvollen „Gleissenden Licht“ an, was die Temperatur in meiner Dackelgarage (mit den Mülltütenähnlichen Zeltwänden) in Sekunden in die Höhe schnellen – und mich wie von der Tarantel gestochen bzw. im eigenen Saft garend – fluchtartig aus dem Zelt stolpern ließ.
Gottesdämmerung hatte ich erst vermutet – und da es dann doch nicht abends sondern eher früh morgens war, dachte ich an eine außerirdische Macht mit einem dicken Master-Beam, die einfach mal versucht haben, mich und mein Zelt „weg-zu-dampfen„.  Aber nichts von alldem war zu sehen, nur Gottes-Strahlen haben mich bzw. mein Zelt erleuchtet. Mit einem misstrauischen Blick rundum war die Lage klar, um mich herum schien scheinbar noch alles zu schlafen, zumindest wenn man die Holzarbeiten der Holzfäller um mich herum richtig einzuordnen wusste.

Um kurz nach 8 Uhr verließen wir das Baywatch- Paradies ohne nochmals einen Blick auf die adretten Baywatch Badenixen werfen zu können.

Verdächtig verschmitzt…

Lars hatte ein verdächtiges, verschmitztes Grinsen im Gesicht und
mir und meinen entzündeten Sitzhöckern schwante nichts gutes.

Irgendwie bereute ich in diesem Moment instinktiv, die Sache mit dem Rizinus- Öl nicht weiterverfolgt zu haben…

 

 

Was war gestern Nacht nur geschehen? Hatte Lars gestern Nacht heimlich trainiert, oder mir vielleicht heute morgen mit diesem Master-Beam jegliche Lebensgeister entzogen?

Vielleicht war ich auch bei Lars in Ungnade gefallen, weil ich gestern zu lange den Baywatch Bade-Nixen mit totaler Gesichtsentgleisung hinterhergegafft haben muss…

..in Ungnade gefallen..

Fragen über Fragen, aber es blieb keine Zeit die Situation zu klären.
Lars semmelte den ganzen Tag vor mir her wie ein bretonischer Ritter und ich wie ein sabbernder Bernhardiner hinterher.

Ich war scheins in Ungnade gefallen.

 

Lars – le commandant !!

ohne Komandantenbrille 🙂

Gegen späten Nachmittag erreichten wir dann die Insel Rügen mit etwa 125km Laufleistung und ich freute mich schon auf den nächsten Campingplatz.
Aber der Campingplatz  war leider überfüllt und mein Capitano bzw. mein Kommandanté befahl den nächsten Campingplatz anzusteuern.

 


Gestrandet sind wir dann nach knapp 155km!!!  auf dem 3 Sterne Ostseecamp Suhrendorf und sind zur später Stunde noch nebenan im „Surfers Paradise“ Pizza essen gegangen.

Tag 15 –  Das Ende

BTG Checkpoint 5

Kulturbanause – ein Leuchtturm?

Am späten Vormittag ging es dann relativ relaxed zum letzten Checkpoint 5 – für uns genaugenommen der erste BTG Checkpoint denn wir auf diesem Selbstversorger-Rennen auch tatsächlich angefahren haben.

Nach knapp 1600km war dann (zumindest bei mir) die Luft raus und ich war glücklich jetzt nur noch als „Urlauber“ durch die Prärie reiten zu dürfen.

 

Den restlichen Tag haben wir quasi nur noch rumgesandelt und sind langsam über kleine Idyllische Dörfer, Küstenlandstriche und unendliche Kornfelder kurz vor Bergen geradelt, wo wir gegen Abend auf einem einfachen Campingplatz übernachtet haben.

Am nächsten Morgen ging es um 6 Uhr los Richtung Bahnhof, wo sich Lars und ich später in Bergen im Zug verabschiedeten. Für Lars sollte die Reise per Zug am späten Abend enden, für mich Nachts um halb zwei.

Resümeé

Nach 2 Wochen war ich froh wieder nach Hause zu kommen, aber auch traurig, dass dieses Abenteuer mit Lars zu Ende war.

Lars und ich sind uns eigentlich nur zufällig übern Weg gelaufen, waren dann aber zwei Wochen durch Dick und Dünn gegangen. Uns war nach Tag 2 klar, dass wir keine reine MTB Tour a´la BTG machen wollten, wussten aber zu diesem Zeitpunkt  auch nicht, wie sich unser Weg weiter entwickeln würde. Eh keine leichte Sache, wenn man(n) sich nicht kennt, aber wir haben letztendlich verblüffend gut harmonisiert. Mal war Lars von der Fitness besser drauf, mal ich. Lars war der Stratege, der Navigator und hat  im wahrsten Sinne mit seiner einzigartigen Luftlinien-Routing Methode aus unserer Tour ein Querfeldeinrennen gemacht. Dadurch waren wir weit weg von den konventionellen BTG MTB Routen und haben Sachen gesehen, die man sonst nicht gesehen hätte. Das wir letztendlich beide als einzige quer durch Deutschland brettern und zum Schluß den Checkpoint 5 erreichen würden hätten wir dann „sooo“ auch nicht gedacht.

Auch wenn ich es ungerne zugebe, aber Lars war mein Zugpferd,  wahrscheinlich hätte ich ohne ihn nicht durchgehalten, geschweige in 2 Wochen knapp 1600km gefahren. 🙂

Darum: Vielen Dank lieber Lars,
Du warst ein toller Begleiter und wenn ich mal wieder zu solch einem Abenteuer aufbrechen sollte, würde ich mich sehr geehrt fühlen, Dich wieder als meinen Flügelmann dabei haben zu dürfen.

Danken möchte ich auch meinen zwei Freunden Richy und Humie, die an mich geglaubt und mich während der Tour immer wieder aufgebaut haben.

Auch ein großes Dankeschön geht an die BTG Mitstreiter Anja, Karin, Michal und Wolfgang, es war schön, eure Bekanntschaft gemacht und euch ein kleines Stück begleitet haben zu dürfen.

Weiter vielen Dank auch die zwei Organisatoren des BTGs, zwei wirklich feine Jungs, die mir in der Anfangsphase mit meiner aberwitzigen Idee und 120kg Lebendgewicht nicht den Mut genommen haben, an diesem Abenteuer teilzunehmen.

Letztendlich war ich dann mit abgemagerten 107kg Lebendgewicht und einem eigentlich „nicht-BTG-tauglichen-Reiserad“ mit 30kg Gesamtgewicht trotzdem das schwerste Exemplar am Start.

Immerhin haben wir es von über 60 Teilnehmern mit 32 anderen Teilnehmern geschafft das Ziel zu erreichen. Wir vielleicht etwas unkonventionell, aber gesund und glücklich und auch dabei gewesen zu sein. Einige andere Teilnehmer hatten leider nicht so viel Glück.

Danke an alle, die mich vor, während und nach der Reise immer bei Laune gehalten haben. Ich hoffe ihr verzeiht mir meinen flappsigen Rede- und Schreibstil. Aber wer mich kennt, weiß das ich echt eine gute Haut bin, nie etwas wirklich böse meine und helfe, wo ich helfen kann.

Es war toll mit euch unterwegs gewesen zu sein.

 

Lars und ich am Tag 1 – Anfang unserer Freundschaft

Hier das kurze Video nur mit schönen Momenten …

 

… und ab hier die volle ungeschönte Wahrheit…

Euer Marci 

Die Fakten nochmals zusammengefasst

Start: 01.07.2018 in Basel (Schweiz)
Ende: 15.07.2018 in Bergen auf Rügen
Kilometer: 1568
Höhenmeter: Keine Ahnung, aber genug, um auch noch im nachhinein wie ein Rohrspatz zu schimpfen… (schon wieder hysterisch kreischend)

Auszug aus dem Live Tracking log

Auszug aus den einzelnen Garmin GPX Files in Open Street MAP

Auszug aus dem Garmin log

 

 

 

 

 

 


Gewicht

März: 120kg
Juli:     107kg
Ende: 102kg

Verbrannte Kalorien auf der Reise: 65000

Links zu Webseiten anderer Teilnehmer

Berichte von 2018 (Quelle BTG Team)

Andere Bilder und Berichte


Was alles schief ging

Tag 1:
Kopfhörer in Speichen gezogen – Fazit: Einohr-Hase ist eh besser fürs Radfahren

Supa-Dupa-Lampe

– Neue Supa-Dupa-Frontscheinwerfer funktioniert nicht
(immerhin funktioniert die Ladezustandsanzeige)

 

 

 

Tag 7:
Eine Socke verloren

lovely Aldi Sport Socke

Hebe restliche  Socke vorsichtshalber auf
(wie sehr hatte ich die andere verloren gegangene Aldi Socke geliebt, wie sehr vermisse ich sie gerade im Moment…)

 

 

–  Kette heiß gelaufen

hmm. schaut irgendwie kaputt aus

Netter Porschefahrer hilft auf halber Strecke  mit Fett aus. Spät abends noch einen offenen Händler in Bayreuth gefunden, der eine neue passende Kette für den 3fachen Preis da hatte..

 

 

 

 

babyblaues Outdoor- Handtuch

Tag 8:
– Lieblings-Kuschel-Handtuch babyblau auf dem MTB Trial verloren

Fazit: Danke dem Herrn, dass ich die eine kratzige Aldi Socke vom Tag 7 nicht weggeschmissen habe, denn die muss jetzt bis zum Ende der Reise als Handtuch herhalten.


– Garmin Trittfrequenz Sensor hat sich ungefragt eine Auszeit genommen

… und sich von dannen gemacht.. (weggeflogen)

lost in space

(das Blöde ist, ich weiß auch im Nachhinein
ganz genau wann und wo er den Weitwurf gemacht hat, aber ich will deswegen nicht unbedingt wieder nach Bayreuth / Hof fahren, also leb wohl geliebter Trittfrequenz-Sensor, Du warst ein treuer nützlicher Begleiter
)

 

Freitag der 13 (verschwörungsvoll in die Runde guckend)

Das Tretlager hat einen Schlag abbekommen und kippt jetzt ein bisschen… (Lagerschaden)

Liebgewonnene Aldi Galoschen

eine meiner Lieblings Aldi Garten-Gummi Schuhe auf MTB Piste verloren.
Restlichen Schuh entsorgt.

 

 

 

– Netzstrumpfhose meiner Powerbank verloren.
(Bild bleibe ich schuldig, jeder Versuch etwas ähnliches hervorzuzaubern wäre peinlich geworden)